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Henrik Ibsen
John Gabriel Borkmann
Henrik Ibsen erzählt
in seinem Stück "John Gabriel Borkmann" einen surrealen Psycho-Krimi, der
zeigt, wie spannungsgeladen Beziehungen miteinander ver- knüpft sind – und
wie sehr Ibsen schon moderne, glasklare Menschenanalyse betreibt,
zeitgenössische Charaktere zeigt.
Der Titelheld ist ein
einst erfolgreicher Bankdirektor, der bei illegalen Finanzspekulationen
ertappt und zu Gefängnis verurteilt worden war. Jetzt sitzt er in
selbst-gewählter Isolation im ersten Stock seines Hauses und sinnt auf
Rückkehr. Unter ihm haust seine verbitterte Frau Gunhild, die davon träumt,
ihr Sohn Erhart möge den Ruf der Familie reinwaschen. Ihre Schwester und
Zieh- mutter Erharts, Ella Rentheim, will den jungen Mann aber wieder zu sich
holen. Erhart entzieht sich beiden und flieht mit seiner Geliebten. Jetzt
zeigt sich, dass Ella und John Gabriel sich einst sehr geliebt hatten, der
junge Borkmann zu Gunsten eines einflussreichen Nebenbuhlers auf sie
verzichtete, dafür den Bankdirektor-Posten bekam und Ellas Schwester Gunhild
heiratete. Mit dieser Vergangenheit konfrontiert, flieht Borkmann aus dem
Haus...
Regie: Sven Grunert;
Bühne: Helmut Stürmer;
Kostüme: Karin Stephany;
Video: Hagen Wiel; Dramaturgie: Susanne Hindenberg; Regie-Assistenz: Moritz
Ewert, Otone Sato; Besetzung: Maria Hengge, Sebastian Hofmüller, Julia Jaschke, Stefan Lehnen,
Andreas Sigrist, Nathalie Schott, Cornelia Pollak
Premiere: 4. Februar 2011
Pressestimmen
"Sven Grunert sucht den Zugang zu Ibsens
Figuren, indem er ihre Verhaltens- weisen psychologisch zu deuten versucht.
Dazu holt er sie in einen abstrakten, symbolhaft mit Tüchern und Spiegeln
bestückten Raum (Bühne: Helmut Stürmer), in dem sie nach acht Jahren
Gewöhnung fast stillgelegt sind...Die Mischung aus Verstörung, Enttäuschung
und Lebensgier, Hass und Liebe wird lediglich angedeutet. Innere Öde, gar
unterdrückte Gefühle, Ambivalenzen zeigen diese Figuren allenfalls
hintereinander, nicht im Widerstreit miteinander erspielt ...Man sieht eine Inszenierung, in der die
Zeit still steht." Landshuter Zeitung
"Was man bei Jaschke und Hengge als sehr
subtiles, enorm ausdifferenziertes Spiel würdigen muss, ist bei Sigrist
nicht weniger als: eine herausragend viel- schichtige Interpretation des
Kotzbrocken John Gabriel Borkmann ... über- wältigende Leistung.... ein
phantastisches Stück von Henrik Ibsen, inszeniert vom großartigen Sven
Grunert, getragen von einem beeindruckend homogenen Ensemble, akzentuiert
durch ein eigenwilliges Bühnenbild von Helmut Stürmer.... "Wochenblatt
"Das knisternde Feuer, kalt projiziert, lässt
nur die Sehnsucht nach Wärme fühlen und das Reich der Schatten aufflackern.
In dieser gespenstischen Atmosphäre ... gelingt unter der Regie von Sven
Grunert Ibsens "John Gabriel Borkmann" zum spannenden Kammerspiel
psychischer Vergangenheitsbewälti- gung eines Bankdirektors, der durch
illegale Bankgeschäfte seine Familie und sein soziales Umfeld ruiniert."
Landshut aktuell
"Düster, trostlos, verzweifelt: In der aktuellen
Inszenierung von Henrik Ibsens "John Gabriel Borkmann" an den Kammerspielen
Landshut – kleines Theater geht es von der ersten Sekunde an ans Eingemachte.
Intendant und Regisseur Sven Grunert fährt seinen Personen in die Seele, zeigt
Menschen, die sich gegenseitig das Herz aus dem Leib reißen, und am Ende
bleiben ein nackter toter Mann und zwei
trauernde Schwestern vor den Scherben ihrer Existenz...Ein halbes Dutzend hoch
konzentrierter, erfahrener, zupackender Schauspieler hilft ihm dabei, die
Menschen auf der Bühne im wahrsten Wortsinn bloßzustellen: Es geht um nichts
anderes als die nackte Existenz... Und so entsteht immer mehr der Eindruck, in
Landshut einen Ibsen zu sehen, den Grunert am Rande der klassischen
griechischen Tragödie angesiedelt hat. Ein mutiges, gelungenes Experiment."
Bayerische Staatszeitung
"Grunert verzichtet auf sich anbietende
vordergründige Aktualisierungsmöglich- keiten. Er wählt die klassische Reduktion
auf das Wesentliche, die antike Tragödie assoziieren lässt, enthüllt die
Figuren bildlich aus ihrer Erstarrung ... Nackt, aller Verhüllungen entblößt
stirbt er (Borkmann) in ihren Armen in der Kälte einer eisigen Nacht, ein
eindringliches Schlussbild, eine neu gedeutete Pieta-Metapher für den selbst
produzierten Liebesmangel." Passauer Neue Presse
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