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Jahre kleines Theater 2001/2002 - Landshuter Zeitung -Sonderbeilage
Hans Sedlmaier: "Das kleine theater Landshut – ein Glücksfall"
Am
Anfang war das Wort: „Poetisches Theater“ wolle er machen, verkündete Sven
Grunert, frisch bestallter Leiter einer eben erst im Entstehen befindlichen
Truppe junger Schauspieler, einer noch skeptischen Landshuter Öffentlichkeit im
Juni 1992. Eine zweite professionelle Bühne neben dem Stadttheater? Dafür
schien Landshut in keiner Hinsicht groß genug. Kleines Theater nannte Sven
Grunert mit scheinbarer Bescheidenheit seine neue Bühne. Landshut vernahm es
und versank in einen langen, heißen Sommer.
Grunert und
die Seinen arbeiteten dagegen mit Enthusiasmus, Charme und unverdrossenem
Optimismus unterstützt von einem theaterbegeisterten Förderverein um Roswitha
Metz an den ersten Produktionen. Am 14. Oktober, dem Premierenabend von „Liebe
Jelena Sergejewna“, rieb sich das kulturinteressierte Landshut verwundert die
Augen: Aus dem ambitionierten Wort vom Poetischen Theater war tatsächlich
Fleisch geworden. Die Schauspieler verzauberten in der Inszenierung von Sven
Grunert mit ihrem Spiel Kritik und Publikum gleichermaßen.
Sehr
schnell sprach es sich herum, dass da Neues, Aufregendes im Kleinen Theater
passierte. Viele, denen Theater in Landshut allzu oft ein Synonym für
etablierte Langeweile und Saturiertheit geworden war, machten sich in die
Neustadt 455 auf und wurden nicht enttäuscht. Schon nach wenigen Monaten war
klar, dass das Kleine Theater neues Theater war; und dass es mit „Liebe Jelena
Sergejewna“ keinen zufälligen Glückstreffer gelandet hatte, sondern selbst ein
kultureller Glücksfall für Landshut war.
Wie der
harte Kern um Sven Grunert das schaffte? Da ist zum einen ganz sicher die
Fähigkeit, die Poesie immer wieder neu zu finden und zu erfinden und seit
nunmehr fas einem Jahrzehnt auf die Bühnen zu zaubern. „Das Spiel von Liebe und
Zufall“, „Rose und Regen, Schwert und Wunde – ein Sommernachtstraum“ oder „Ein
Winter unterm Tisch“ sind nur einige, ganz subjektiv ausgewählte Produktionen,
die ihre Magie durch eine ganz wunderbare Leichtigkeit entfalten.
Aber es ist
noch etwas mehr, was – zumindest für mich – das kleine theater so interessant
und aufregend macht. Vom ersten Tag an steht diese Gruppe auch für
zeitgenössisches, oft auch verstörendes Theater. Wie nur wenige Bühnen
vergleichbarer Größe wagt es das kleine theater, sein Publikum mit brandneuen
Stücken zu konfrontieren. Mit „Lederfresse“ von Helmut Krausser, „Dreck“ von
Robert Schneider oder „Fette Männer im Rock“ von Nicky Silver schützt es sich
auch davor, irgendwann als harmlos abgetan zu werden.
Und als
Sven Grunert mit Diplomatie und Eloquenz die Großtat vollbracht hatte, dem
kleinen theater im eigens renovierten Rottenkolberstadel eine von der Stadt
finanzierte Spielstätte, „den letzten Theaterneubau im ausgehenden Jahrtausend“
zu schaffen, da war die Befürchtung nicht weit, er habe mit dem Schlüssel sich
auch gleich die Selbstzensur auferlegt. „Hautnah“, ein illusionsloses Stück von
Patrick Marber über das Scheitern von Nähe und die zunehmende Einsamkeit in
unserer Gesellschaft, geriet ob seiner direkten, manchmal drastischen Sprache
und der kongenialen Inszenierung zu einem kleinen Theaterskandal.
Neben ihrer
Poesie und Aktualität zeichnet die Arbeit von Sven Grunert für mich noch etwas
anderes aus: sein sicheres Gespür für Talente. Das betrifft zum einen die
Schauspieler, deren Können manchmal nur für eine Spielzeit, oft aber für viele
Jahre das kleine theater bereichern. Es betrifft in vielleicht noch größerem
Maße die Regie, wie sich jüngst an Sarah Kohrs Inszenierungen zeigt.
Bereits in
der ersten Spielzeit holte sich Grunert mit Gil Mehmert einen
Allroundregisseur, der mittlerweile in ganz Deutschland Musicals und Opern
inszeniert und im kleinen theater vor allem durch seine Komödien für Furore
sorgte.
Gil
Mehmerts Theaterarbeit ist ein gutes Beispiel dafür, was das kleine theater
seit 1992 bei allem Anspruch auch nach Landshut gebracht hat: die Erkenntnis,
wie viel Spaß es machen kann, ins Theater zu gehen.

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