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15 Jahre kleines Theater - Sonderbeilage der Landshuter  Zeitung Oktober 2007

„Regisseur im Theater-Wohnzimmer": Der "wahnsinnig ausgebuchte" Gil Mehmert erinnert sich an seine Anfänge in Landshut

 

"Das kleine Theater war mein Sprungbrett", gibt der erfolgreiche Regisseur Gil Mehmert offen zu. Er drehte nach eigenen Drehbüchern die mehrfach ausgezeichneten Filme "Ukulele Blues" und "Aus der Tiefe des Raumes", führt derzeit u.a. am Wiener Volkstheater Regie, unterrichtet an der Bayerischen Theaterakademie und ist Professor im Fachbereich Musical an der Essener Folkwang-Hochschule, kurz gesagt, Gil Mehmert ist "derzeit wahnsinnig ausgebucht".

 

Angefangen hat alles damit, dass Sven Grunert 1991 seine Abschlussarbeit von Ken Campells "Weißt du, die Sache ist die" gesehen hat: "Er war sehr von meiner britischen Art angetan und hat sich 1,5 Jahre später gemeldet, ob ich nicht Lust hätte, beim kleinen Theater mitzumachen. Für mich als junger Regisseur war das natürlich eine tolle Chance und so habe ich spontan zugesagt".

 

Mit "Zimmer frei" gibt Gil Mehmert am 27. April 1993 sein Debüt in Landshut. Es ist der Anfang einer langen Mehmert-Reihe, von denen dem Regisseur selbst vor allem "Frank und Stein", "Winter unterm Tisch" und "Das Tagebuch der Anne Frank" als "perfekt choreographierte Stücke" im Gedächtnis geblieben sind.

 

Die sieben Jahre in "unserem Theater-Wohnzimmer" genießt Gil Mehmert, ihm gefällt vor allem die Intimität, kann in dieser Zeit "kontinuierlich arbeiten, mich handwerklich weiterentwickeln, meinen eigenen Stil finden und unglaublich viel lernen".

 

Gelernt hat Mehmert vor allem von Sven Grunert: "Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass mich Sven nach den Hauptproben immer mit zu einem Spaziergang ums Haus genommen hat. Sein Gesicht war todernst, der Blick kritisch und sein erster Satz jedes Mal: Wie können wir reagieren? Wir sind dann jedes Mal ein paar Runden ums Haus gewandert, während Sven auf mich eingeredet hat. Bei der Premiere war er dann aber jedes Mal sehr zufrieden."

 

Durch sein erstes Stück lernt der 42-Jähriges Matthias Kupfer kennen, eine Freundschaft, die sich bis heute gehalten hat und mitgenommen wurde auf die großen, deutschen Bühnen. So ist Kupfer derzeit auf der Schaubühne in München in Steinbecks "Mäusen und Menschen", unter der Regie Mehmerts zu sehen. "Auch mit Eckhard Preuß und Stefan Walz habe ich von Anfang an gern zusammen gearbeitet und das setzt sich bis heute fort: Eckhard Preuß spielte in meinem Film "Aus der Tiefe des Raumes" mit und Stefan Walz war in Kaurismäkis "Mann ohne Vergangenheit" in Hamburg erfolgreich. Das sind Connections, die in Landshut entstanden sind und sich weiterentwickelt haben."

 

Gil Mehmert gehört heute zu den ganz Großen. Doch seine Karriere begann im Kleinen ....Theater.