 |
ARCHIV 
Landshuter Zeitung 3.Oktober 2006
Johannes Goebel: "Immer
Unterwegs - Magda Stief im Gespräch"
Es war eine
Reise ins Ungewisse. 1971 entschieden sich Magda Stief und ihr Mann Vlad Mugur
für die künstlerische Freiheit und gegen das Rumänien des Diktators Ceausescu,
der damals eine Kulturrevolution nach chinesischem Vorbild plante. Gleich
mehrere Projekte des Theaterregisseurs Mugur waren verboten worden, darunter
auch eine HAMLET-Inszenierung. Dennoch war es keine leichte Entscheidung für
Magda Stief, mit ihrem Mann ins Ausland zu gehen. Schließlich waren beide erst
ein Jahr zuvor für Mugurs Inszenierung von Tschechows drei Schwestern
ausgezeichnet worden; Magda Stief bekam für ihre Darstellung der Irina den
Nationalpreis. Nun verließ das Paar sein Heimatland mit nicht mehr Gepäck als
zwei Koffern. „Wir wussten nicht, ob wir je wieder Arbeit in einem Theater
finden würden", sagt Magda Stief heute, 35 Jahre später, über die schwierige
Zeit, in der sie nach Deutschland kam. Wenn man der Schauspielerin allerdings
eine Weile zuhört, wundert man sich keineswegs über ihre damalige Entscheidung.
Magda Stief liebt es, neue Wege zu gehen. Diese Eigenschaft verband sie noch
einmal besonders stark mit ihrem Mann Vlad Mugur, der 2001 im Alter von 74
Jahren verstarb. Der große rumänische Regisseur entdeckte Magda Stief in den
sechziger Jahren, als sie in
ihrer
Heimatstadt Klausenburg
Eliza
Doolittle in my fair lady spielte.
Als eines
der ersten gemeinsamen Projekte folgte Shakespeares Sommernachtstraum mit Magda
Stief in der Rolle der Helena. Mugur inszenierte den Klassiker mit
Neu-Übersetzung, Jazz-Musik und Darstellern in Hippie-Kostümen. „Das war ein
Riesenerfolg damals, auch bei einer Tournee durch Italien", erinnert sich Magda
Stief. Der Erfolg hielt glücklicherweise auch im deutschen Exil an, das Paar
konnte an zahlreichen Bühnen arbeiten. Von 1973 bis 1977 war Magda Stief am
Stadttheater Konstanz engagiert. Nach einer kurzen Zeit in Basel lockte das
Zürcher Schauspielhaus, doch Stief entschied sich für die Bochumer Bühne unter
Claus Peymann. Im Haus des innovativen Intendanten fühlte sie sich wohl und
spielte unter anderem in Franz Xaver Kroetz' Wunschkonzert die einzige Rolle
der stummen, vereinsamten Frau.
Nach der
Bochumer Erfahrung begann für Magda Stief die Zeit als freischaffende
Schauspielerin, zudem gründete sie mit ihrem Mann in München das Ensemble „Vlad
Mugur", das bis zum Wendejahr 1989 bestand. Nach Ceausescus
Sturz ging Vlad Mugur als Intendant nach Bukarest; er und Magda Stief pendelten
von nun an im Halbjahresrhythmus zwischen München und Rumänien. Mit seiner
letzten Inszenierung gelang dem Regisseur noch ein ganz spezieller Triumph.
Sein Hamlet setzte besondere Akzente - so fiel etwa das finale Duell aus - und
wurde 2002 zu den Europäischen Kulturtagen nach Karlsruhe eingeladen. Mit
seinem lebendigen Stil hat Vlad Mugur nicht nur seine Frau, sondern auch viele
andere Theatermenschen geprägt. In Ulm, wo Sven Grüner t an der Uraufführung
seines Stückes „Fetzer. Ein Stück Jugend" arbeitete, lernten sich die beiden
kennen. Ein reger Austausch von Theaterideen und -Interessen entstand. So
entwickelte sich eine tiefe Verbundenheit zwischen Sven Grunert, Vlad Mugur und
Magda Stief. Magda Stief trat bereits im kleinen theater auf, als dieses noch
keine Heimstatt im Rottenkolberstadel gefunden hatte. Die Rolle der Winnie in
glückliche tage bezeichnet sie als die „textmäßig schwierigste" ihrer langen
Karriere, nicht zuletzt aufgrund der irritierenden Wiederholungen. Magda Stief
sagt jedoch auch: „Winnie sammelt immer wieder neue Kräfte." Nicht die
schlechteste Rolle für eine Frau, deren persönliche Entdeckungsreise noch lange
nicht zu Ende ist.
Johannes Goebel:
Philosophie- und Theologiestudium. Aufbaustudium Theater-, Film-und
Fernsehkritik an der Bayerischen Theaterakademie August Everding in München.
Freie Mitarbeit bei der Landshuter Zeitung und bei der Abendzeitung.

|