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Nis-Momme Stockmann
Die Ängstlichen und die
Brutalen
Verstehst du – es ist egal, er ist tot.
Es ist tot –
Alles ist tot!
Nis-Momme
Stockmann ist einer der eindringlichsten und ergreifendsten der jungen
deutschen Dramatiker. Wo andere vorher abdrehen, geht er bewusst mitten
hinein: in den Schmerz des Alltags, in die Absurdität des handelsüblichen
Wahnsinns, in die jeder Beziehung und jeder Familie innewohnenden
Sprengkraft der Gefühle. Und wie wenn einer in ein viel zu weiches Bett
hüpft, so schlägt einem in Stockmanns Dramen alles über dem Kopf zusammen:
Heiterkeit und Trauer, Scherz und Schmerz, Schuld und Sühne, ein Versinken
dort, wo man mit Boden rechnete, kein Verlass mehr auf irgendetwas.
Stockmann ist radikal ehrlich in der dramatischen Schilderung von der
existenziellen und emotionalen Abhängigkeit der Individuen voneinander:
Das soziale Netz besteht in all seiner Gnaden- losigkeit bei ihm nahezu
ausschließlich aus Verstrickungen. Gut und böse sind dabei längst keine
Maßstäbe mehr, sondern seine Personen können bestenfalls nur noch
funktionieren: gerade noch so eben oder eben schon nicht mehr.
Das kleine
theater zeigt jetzt sein Stück "Die Ängstlichen und die Brutalen",
sehenswert und faszinierend unterhaltsam schon allein wegen einer Situation,
wie sie Samuel Beckett nicht schöner hinbekommen hätte: Zwei Brüder haben
mit dem Umstand umzugehen, mit dem toten Vater in dessen Wohnung zu sein,
eine Situation, an der sie grandios scheitern, weil sie nie ihre
Verhältnisse zueinander geregelt bekommen haben. Jetzt stülpen sie ihr
Inneres nach außen, aber es ist alles längst zu spät. Hier funktioniert
keiner mehr. Ein grandioses Kammerspiel, in dem der Tod gerade noch die
Rolle des Sidekick bekommt: Denn das Leben ist viel schlimmer!
Regie: Sven
Grunert
Offene Probe: Sa, 02.06.2012, 20.00 Uhr
Dauer: 1 Std. 30 Min
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