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SPIELZEIT 2011/2012
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Henrik Ibsen erzählt in seinem Stück "John Gabriel Borkmann" einen surrealen Psycho-Krimi, der zeigt, wie spannungsgeladen Beziehungen miteinander verknüpft sind – und wie sehr Ibsen schon moderne, glas- klare Menschenanalyse betreibt, zeitgenössische Charaktere zeigt. Der Titelheld ist ein einst erfolgreicher Bankdirektor, der bei illegalen Fi- nanzspekulationen ertappt und zu Gefängnis verurteilt worden war. Jetzt sitzt er in selbstgewählter Isolation im ersten Stock seines Hauses und sinnt auf Rückkehr. Unter ihm haust seine verbitterte Frau Gunhild, die davon träumt, ihr Sohn Erhart möge den Ruf der Familie reinwaschen. Ihre Schwester und Ziehmutter Erharts, Ella Rentheim, will den jungen Mann aber wieder zu sich holen. Erhart entzieht sich beiden und flieht mit seiner Geliebten. Jetzt zeigt sich, dass Ella und John Gabriel sich einst sehr geliebt hatten, der junge Borkmann zu Gunsten eines einflussreichen Nebenbuhlers auf sie verzichtete, dafür den Bankdirektor-Posten bekam und Ellas Schwester Gunhild heiratete. Mit dieser Vergangenheit konfrontiert, flieht Borkmann aus dem Haus...
Regie: Sven Grunert; Bühne: Helmut Stürmer; Kostüme: Karin Stephany; Video: Hagen Wiel; Dramaturgie: Susanne Hindenberg; Regie-Assistenz: Moritz Ewert, Otone Sato; Besetzung: Maria Hengge, Sebastian Hofmüller, Julia Jaschke, Stefan Lehnen, Andreas Sigrist, Nathalie Schott, Cornelia Pollak
Premiere: 4. Februar 2011
Pressestimmen
"Sven Grunert sucht den Zugang zu Ibsens Figuren, indem er ihre Verhaltensweisen psychologisch zu deuten versucht. Dazu holt er sie in einen abstrakten, symbolhaft mit Tüchern und Spiegeln bestückten Raum (Bühne: Helmut Stürmer), in dem sie nach acht Jahren Gewöhnung fast stillgelegt sind... Die Mischung aus Verstörung, Enttäuschung und Le- bensgier, Hass und Liebe wird lediglich angedeutet. Innere Öde, gar unterdrückte Gefühle, Ambivalenzen zeigen diese Figuren allenfalls hin- tereinander, nicht im Widerstreit miteinander erspielt ... Man sieht eine Inszenierung, in der die Zeit still steht." Landshuter Zeitung
"Was man bei Jaschke und Hengge als sehr subtiles, enorm ausdifferenziertes Spiel würdigen muss, ist bei Sigrist nicht weniger als: eine herausragend vielschichtige Interpretation des Kotzbrocken John Gabriel Borkmann ... überwältigende Leistung....ein phantastisches Stück von Henrik Ibsen, inszeniert vom großartigen Sven Grunert, getragen von einem beeindruckend homogenen Ensemble, akzentuiert durch ein eigen- williges Bühnenbild von Helmut Stürmer.... " Wochenblatt
"Das knisternde Feuer, kalt projiziert, lässt nur die Sehnsucht nach Wär- me fühlen und das Reich der Schatten aufflackern. In dieser gespens- tischen Atmosphäre ... gelingt unter der Regie von Sven Grunert Ibsens "John Gabriel Borkmann" zum spannenden Kammerspiel psychischer Vergangenheitsbewältigung eines Bankdirektors, der durch illegale Bankgeschäfte seine Familie und sein soziales Umfeld ruiniert." Landshut aktuell
"Düster, trostlos, verzweifelt: In der aktuellen Inszenierung von Henrik Ibsens "John Gabriel Borkmann" an den Kammerspielen Landshut – kleines Theater geht es von der ersten Sekunde an ans Eingemachte. Intendant und Regisseur Sven Grunert fährt seinen Personen in die See- le, zeigt Menschen, die sich gegenseitig das Herz aus dem Leib reißen, und am Ende bleiben ein nackter toter Mann und zwei trauernde Schwes- tern vor den Scherben ihrer Existenz...Ein halbes Dutzend hoch kon- zentrierter, erfahrener, zupackender Schauspieler hilft ihm dabei, die Menschen auf der Bühne im wahrsten Wortsinn bloßzustellen: Es geht um nichts anderes als die nackte Existenz... Und so entsteht immer mehr der Eindruck, in Landshut einen Ibsen zu sehen, den Grunert am Rande der klassischen griechischen Tragödie angesiedelt hat. Ein mutiges, ge- lungenes Experiment." Bayerische Staatszeitung
"Grunert verzichtet auf sich anbietende vordergründige Aktualisierungs- möglichkeiten. Er wählt die klassische Reduktion auf das Wesentliche, die antike Tragödie assoziieren lässt, enthüllt die Figuren bildlich aus ihrer Erstarrung ... Nackt, aller Verhüllungen entblößt stirbt er (Borkmann) in ihren Armen in der Kälte einer eisigen Nacht, ein eindringliches Schluss- bild, eine neu gedeutete Pieta-Metapher für den selbst produzierten Liebesmangel." Passauer Neue Presse
"Ibsens John Gabriel Borkmann in der Landshuter
Inszenierung von Sven Grunert ist ein Musterbeispiel für ganz und gar
unprovinzielles Theater ... Kurzum: eine rundum sehenswerte Aufführung"
Bayerischer Rundfunk
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