SPIELZEIT 2011/2012


Bertolt Brecht / Kurt Weill  Die Dreigroschenoper


Im kleinen theater wird diese Saison mordsmäßig gehaifischt – und das mit scharfen Zähnen. Bertolt Brechts waghalsiger und überaus erfolg- reicher Theatercoup der "Dreigroschenoper" aus dem Jahr 1928 hat schon in der Weimarer Republik für Furore gesorgt, und seitdem hat jede Zeit eine neue Schicht auf dieses wilde, zeitlose Spektakel um Liebe, Gier und erotische Verwicklungen gelegt. Das funktioniert, weil Brecht aus einer der berühmtesten Opern des 18. Jahrhunderts, John Gays "The Beggar΄s Opera", zupackend archetypische, ewig gültige Theater-gestalten herausdestilliert hat. Und er hat das so gut gemacht, dass Typen wie Mackie Messer längst von der Bühne hinabgestiegen sind und sich in der kollektiven Erinnerung verselbstständigt haben.

Macheath ist der Häuptling der Londoner Einbrecher. Seine Spezialität sind Raubüberfälle, Mord und Zuhälterei. Man nennt ihn Mackie Messer. Protegiert wird er von Polizeichef Tiger-Brown, geliebt von Polly Pea- chum, der Tochter des Chefs der Londoner Bettlergewerkschaft. Als Mackie sie in einem Pferdestall heiratet, setzt der Vater alles daran, den Verführer an den Galgen zu bringen. Im Herzen von Soho kommt es zum Kampf der Giganten, Kriegsschauplatz ist das Bordell.

Im kleinen theater stellen sich Brechts entscheidende Fragen: Ist der Mensch nur ein domestiziertes Ungeheuer? Ein genusssüchtiges, amora- lisches Wesen, das sich hinter der Fassade geschäftstüchtiger Bürger- lichkeit verbirgt? Wo endet der Reichtum und wo beginnt das mensch- liche Elend? Bertolt Brechts grandiose Satire über die Verstrickungen von Bürgerlichkeit und Verbrechen, Moral und menschliche Begierden ist zum einen ein Spektakel zum Genießen. Aber Vorsicht, nicht zu entspannt zurücklehnen: Die Tarn-Maske der Wohlanständigkeit, die sich Brechts Verbrecher- und Bettlertrupp ebenso gern wie vergeblich aufzusetzen trachtet, tragen wir letztlich alle.

Das muss man doch mal zeigen dürfen, sprach das kleine theater und stürzte sich auf den üppigen Stoff. Denn es geht, sagt Intendant und Regisseur Sven Grunert, um die reale, uns umgebende heutige Welt und die menschliche Natur selbst: "Erfolgreicher Unternehmer trifft auf erfolgreichen Geschäftsmann, macht bare Münze aus dem Unglück an- derer und bedient sich dabei zur Tarnung bürgerlicher Mechanismen. Das menschliche Individuum ist sehr gefährlich, gefährlicher als jeder Haifisch – und wir müssen uns alle diesen destruktiven Tendenzen in uns stellen." Die "Dreigroschenoper": sicher eines der spektakulärsten Projekte in der 20-jährigen Geschichte des Hauses, jetzt dem Publikum zum Genuss freigegeben!

Das Sonderprojekt zur Spielzeit 2011/2012 wird unterstützt vom Bay- rischen Kulturfonds und vom BMW Werk Landshut und von den Land- schaftsarchitekten und Stadtplanern Wartner & Zeitzler aus Landshut und Plattling
 

Regie: Sven Grunert; Musikalische Leitung: Manfred Manhart; Bühne: Helmut Stürmer; Kostüme: Julia Borchert; Ausstattung: Lucie Hofmüller; Dramaturgie: Maja Nemere; Regieassistenz: Tina Lorenz Besetzung: Cristina Andrione, Ursula Berlinghof, Julius Bornmann, Rudi Knauss, Oliver Koch, Christoph Krix, Monika Lachenmeir, Stephanie Marin, Andreas Mayer, Nathalie Schott

Premiere: Freitag, 7. Oktober 2011
Dauer:
2 St. 50 Min., eine Pause

Pressestimmen

„Das Stück landet sicher auf der Bühne in dem Haus, das mit dieser Inszenierung an die Grenzen des Machbaren gegangen ist. Und das beweist, dass dieser Klassiker der Moderne, an größeren Bühnen auch schon mal leicht angestaubt und museal oder massiv überfrachtet daherkommend, in der Intimität eines eher kleinen Umfelds ausge-sprochen gut funktionieren kann… Ursula Berlinghof als Celia, ausge-stattet mit dem Temperament einer mit allen Wodkas gewaschenen Unterschichten-Tigerin, und Oliver Koch als Jonathan Jeremiah…, cool wie Pfefferminz, bilden ein prima Team.“ Landshuter Zeitung vom 10.10.2011

„Der Intendant treibt Ensemble, Publikum und sich selbst zu Höchstleistungen…fast verschwenderisch die Spiellust, beinahe selbst-vergessen der Gesang… Das Premierenpublikum feierte die Dreigro-schenoper mit tosendem Applaus, johlte klatschte und trampelte das Publikum immer wieder zurück auf die Bühne.“ Wochenblatt vom 12.10.2011

„Das Ensemble mit jugendlichem Temperament, exzellente Stimmen, pfiffig gedresst zeichnet eine sympathische Unterwelt, sexy, mit Flitter und Glitzer die Huren, pomadisierte Gigolos der Kreis um Mackie Messer … Julius Bornmann spielt ihn mit unwiderstehlichem Dandycharme… Ein Feuerwerk von Ideen, Varieté, Moritat....“ Landshut Aktuell vom 12.10.2011


Das Ensemble der Dreigroschenoper