SPIELZEIT 2011/2012


Eric-Emmanuel Schmitt
 Oskar und die Dame in Rosa


Ein ganz besonderes Solo erwartet uns mit dem Stück „Oskar und die Dame in Rosa“ von Eric-Emmanuel Schmitt. Die Protagonistin Léonie Thelen, dem Landshuter Publikum seit der Eröffnungspremiere von „Liebe Jelena Sergejewna“ durch zahlreiche Rollen bekannt und stets Garantin für hochwertige Schauspielkunst, wird erneut mit allen Facetten ihrer Persön- lichkeit verzaubern. Das Stück erzählt auf eindringliche und einfühlsame Weise die Geschichte eines unheilbar erkrankten Jungen. Über die Alltags- schilderungen im Krankenhaus, über Oskars Begegnungen mit der Dame in Rosa, die sich in einem traumwandlerischen Rollenspiel entfalten, erleben wir das Leben in all seinen Höhen und Tiefen.

Eric-Emmanuel Schmitt versteht es, die Wirklichkeit in ihrer Tiefe und Wahrheit zu erkunden. Zuletzt war der Autor mit „Monsieur Ibrahim oder die Blumen des Koran“ im kleinen theater zu sehen. Nun mit der Geschichte von Oskar in einer lebendigen Inszenierung von Petra Dannenhöfer – ein spannendes, lustvolles Theater mit diesem Soloprogramm im kleinen theater!

OSKAR UND DIE DAME IN ROSA ist dieses Jahr zu den 30. Bayerischen Theatertagen nach Augsburg eingeladen

Premiere: 3. Dezember 2011
Dauer: 1 Std. 45 Min., eine Pause

Regie: Petra Dannenhöfer
Besetzung: Léonie Thelen

Pressestimmen

"Thelen spielt beide Rollen zurückhaltend, aber eindringlich, und sie schafft es, die Szenen glaubhaft zu zeigen: Krankenzimmer, Kapelle, Besenkam- mer oder Auto. Ihr genügen die Requisiten auf der Bühne. Eine eigene Magie allerdings entsteht, wenn weitere Mittel ins Spiel kommen: Einmal verstreut sie rote Blumen auf der Bühne - belebende Farbtupfer. Ein ander- mal schneit es auf der Bühne." Landshuter Zeitung vom 5. 12. 2011

„Léonie Thelen, Urgestein des kleinen Theaters, trifft von der ersten Se- kunde an den richtigen Ton… So wird das Spiel, dessen bitteres Ende schon von vornherein klar ist, zu einem denkwürdigen Dialog. Einem Dia- log, den Léonie Thelen in Personalunion meistert. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Im Sekundentakt wechselt sie bisweilen die Seite dieses Zwiegesprächs. Schlagfertig, glaubwürdig, oft zu Tränen rührend und herzzerreißend.“
Wochenblatt vom 8.12.2011

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Subtil  chargiert Léonie Thelen zwischen dem handfesten Catcher-Humor Mama Rosas und der kindlichen Naivität Oskars. Mit Feingefühl zeichnet sie in den Wutausbrüchen Oskars über die Feigheit seiner Eltern deren Hilflosigkeit. Ohne Larmoyanz, mit der sachlichen Logik eines Kindes und der Lebenserfahrung einer herzhaften Krankenschwester blitzt Humor in der Hoffnungslosigkeit auf, lassen die menschlichen Beziehungen den Tod vergessen, das Vertrauen die Angst überwinden. Der Tod als letztes Erlebnis, als Neugier auf das Danach - das ist die Botschaft für jeden. Text und Inszenierung berühren wie selten ein Theaterstück." Landshut aktuell

Gott und die Mehltüte!
Lieber Gott, statt einer Kritik schreib Dir jetzt mal einen Brief! Andererseits weiß ich auch, dass jeder Brief, der mit „lieber Gott“ angeht, eigentlich sentimentaler Unfug ist. Trotzdem muss ich so schreiben und so anfangen, weil ich Dir danken möchte, dafür, dass Du mich nach Landshut fahren und in ein Theater gehen ließest, wo ich mir das Stück „Oskar und die Dame in Rosa“ von Eric-Emanuell Schmitt angesehen habe. Und ich kann mich in diesem Fall eben nur in Briefform bedanken, weil der größte Teil des Stückes Briefe an den „lieben Gott“ sind, wer auch immer das sein mag.
Der krebskranke 12jährige Oskar hat noch 12 Tage zu leben und weiß dies auch. Er folgt dem Rat der Krankenhausangestellten in rosa Schwestern- tracht und schreibt Briefe an den „lieben Gott“, obwohl er ja eigentlich gar nicht wie seine Eltern an den „lieben Gott“ glaubt. 12 Briefe in 12 Tagen, 1 Tag dauert 10 Jahre, die nun zu komfortablen 120 Jahren werden. Reichlich Zeit für ein ganzes Kinder-. Liebes- und Erwachsenenleben. Mit einer einfachen Illusion, nenn es Trick, nenn es Lüge, nenn es Notlüge wird die Zeit besiegt. Vielleicht haben Lügen ja doch die längeren Beine. Es sind berührend-einfache, poetisch-kluge Briefe mit knallharten Fragen und glasklaren Antworten über Warum und Wieso, Leben und Tod. Das Leben ist nicht gerecht und der Tod schon gar nicht. Dann ist es aber auch wieder als ginge man in einen altmodischen Antiquitäten- und Kitschladen. Eine Welt mit Kitsch, Lüge und Illusion tut sich auf, der man sich mit etwas Skepsis nähert. Plötzlich packt es einen aber doch und man kann sich nicht mehr losreißen. Man ist mitten drin im Nimmerland des Peter Pan, verliert aber nie den Kontakt zur rauen Wirklichkeit des Krankenhauses und bitteren Wahrheit der Krankheit. Und das hat mit der wunderbaren Schau- spielerin Léonie Thelen zu tun, die den Zuschauer mit ihrer herben Stimme in dieses klinisch-weiße Gefühlskino mitnimmt, das ja eigentlich in der Pal- liativstation eines Krankenhauses spielt. Neben ein paar anderen Figuren verkörpert sie mit spielerischer Leichtigkeit den kranken Oskar und die Dame in Rosa, die sich als ehemalige Catcherin ausgibt, die Gott und die Welt und das Leben kennt wie keine andere, die immer Lösungen und Stra- tegien parat hat, und die, wenn die Gegnerin mal sehr, sehr glitschig ist, sich mit einer Tüte Mehl zu behelfen weiß, um die Gegnerin in den Griff zu bekommen. Der „liebe Gott“ hat eben immer und für jeden eine Tüte Mehl bereit.
Wer jemals mehr als 35 DinA4-Seiten Text auswendig gelernt hat, wie ich zum Beispiel, weiß was das für ein Gedächtnismarathon ist. Und in Petra Dannenhöfer hat diese brillante Marathonfrau auch eine unauffällige, diskre- te Regisseurin, die mit gekonnter, unauffälliger Licht- und Projektions- technik eine Wolke 7 zum Davonschweben entstehen und diese Glücks- wolke zwei Stunden lang und trotz Pause auch nicht absacken lässt. Be- wundernswert die spielastische Unangestrengtheit, mit der die zierliche Ma- rathonläuferin Thelen mit dem flotten Mundwerk die zwei Figuren sich mit- einander unterhalten lässt und diese verbale Spritzigkeit auch zwei Stunden lang nicht verliert. Auch in traurigsten Momenten ver- streut sie liebevoll ihre witzigen Pointen und verbreitet im Angesicht des Todes eine gelassene, gelöste Heiterkeit. Fast genüsslich saugt man diese wunderbaren, kleinen, einfachen Botschaften und Wahrheiten des E-E Schmitt auf. Man wird fast süchtig nach diesen traurig-süßen Glückskeksen aus dem Poesiealbum und würde am liebsten heulen. Und nascht sich zu Tode und möchte am Ende nur noch mit Oskar einschlafen und sich nur vom lieben Gott wecken lassen.
Rudolf Waldemar Brem
Schauspieler, München